35 Jahre Wiederaufbau Straßberg – Stiege, Teil 3

Winfried Schwarzbach
In der letzten Ausgabe der Harzbahnpost begann ich (m)eine Erzählung, wie ich den Wiederaufbau der Strecke Straßberg (Harz) - Stiege erlebte – hier nun die Fortsetzung.

Abschnitt Eisfelder Talmühle - Stiege: Es wurden die drei Brücken im Abschnitt ab Frühjahr 1984 völlig überarbeitet. Die Berebrücke im km 8,0, eine Stahlträgerkonstruktion, wurde völlig entfernt und neben dem Gleis auf Stützen gelagert. Es wurden Nieten gewechselt, sie wurde mit Sand gestrahlt und mit neuem Anstrich versehen. Beide Widerlager wurden teilweise abgerissen und neu aufgebaut, danach wurde die Brücke wieder eingehoben.
Die beiden Gewölbebrücken über den Mosebach und den Bartschenkulk überqueren zwei von Norden ins Beretal einmündende Täler auf 10 - 12 m Höhe. Da im Laufe der Zeit die Isolierung undicht war und Feuchtigkeit ins Gewölbemauerwerk drang, wurden die Schienen und der Schotter entfernt und das Mauerwerk bis fast auf den Gewölbescheitel abgetragen. Mit Beton wurde eine neue Schicht aufgetragen, isoliert und darauf Betonelemente aufgebracht, die von außen nach innen Gefälle hatten und gleichzeitig als Wanne für das Schotterbett dienten. Die Teile wurden mit Autodrehkranen aufgelegt, für die teilweise mühsam erst Standflächen geschaffen werden mußten.


Foto (Winfried Schwarzbach):
Im März 1984 begannen die Sa-nierungsarbeiten an den drei Brücken zwischen Eisfelder Talmühle und Birkenmoor. Hier werden an der oberen, der Bartschenkulkbrücke, Vorbereitungen zum Abbau der Gleise getroffen.


Foto (Winfried Schwarzbach):
Dieser Blick auf die Bartschenkulk-brücke zeigt die Brücke ohne Gleis-und Schotterbett. Die Fahrbahnfläche wird nun stabilisiert und abgedichtet, es folgt das Aufbringen einer Aus-gleichschicht, auf denen die Beton-tröge liegen werden, die wiederum Schotter und Gleis aufnehmen und für eine Ableitung des Wassers sorgen.

Der Streckenabschnitt Birkenmoor (km 2,9) bis etwa km 2,0 wurde mit neuen Schwellen und Schotter ausgestattet, gerichtet und gestopft.Diese Arbeiten fanden etwa ab März bis Juni 1984 statt, zuvor wurde noch etwa vier Wochen lang ein Kohlevorrat nach Silberhütte gefahren.

Bahnhof Stiege: Hier mußte ein völlig neuer Betriebsablauf geplant werden, für den der Gleisplan angepaßt wurde. Im Gegensatz zur ehemaligen GHE wollte die DR mit möglichst wenig Personaleinsatz auskommen, der Einsatz der Rollwagen mit ihrem aufwendigen Kupplungssystem über schwere Stangen sollte möglichst wenig Rangierarbeiten erfordern.
So kam es zum Bau einer Wendeschleife (Gleis 9), eher aus dem städtischen Nahverkehr bekannt. Ihre Länge wird mit etwa 400 m angegeben, der Radius beträgt 60 m. Der neue Gleisplan sah folgende durch Rückfallweichen festgelegte Fahrmöglichkeiten vor:
Gleis 5 - Einfahrt aus Richtung Eisfelder Talmühle, Weiterfahrt über Gleiskreuzung mit Gleis 2 nach Gleis 1, über Weiche 8 nach Weiche 9 in Richtung Hasselfelde oder in die Wendeschleife.
Gleis 2 - Einfahrt aus Richtung Hasselfelde/Wendeschleife, über die Gleiskreuzung mit Gleis 5, Ausfahrt über Weiche 4 nach Eisfelder Talmühle oder Friedrichshöhe.
Gleis 1 - Einfahrt aus Richtung Friedrichshöhe und Weiterfahrt über Weiche 9 entweder nach Hasselfelde oder in die Wendeschleife. Vom Gleis 1 aus ist auch noch das Gleis 7 zu erreichen, das beidseitig mit Weichen angebundene ehemalige Rampengleis, welches bei Bedarf auch für Zugkreu-zungen bzw. Überholungen dienen kann. Weiterhin steht auch noch das sogenannte „Schottergleis“ (Gleis 8) zur Verfügung, welches im Gleis Richtung Friedrichshöhe mit den Weichen 21 und 22 angebunden ist.
Die Weichen 4 und 9 sind handbediente sogenannte „Trennungsweichen“ ohne Grundstellung. Alle anderen Weichen besitzen eine festgelegte Grundstellung, die Weichen 1, 2, 8, 10 und 11 sind Rückfallweichen.


Foto (Winfried Schwarzbach):
Ursprünglich gab es an der Ostseite der Wendeschleife einen Einschnitt, der aber nach etlichen starken Schneeverwehungen entfernt wurde. 24.11.1983


Foto (Winfried Schwarzbach):
Während der Sperrpause wurden im Bahnhof Stiege Arbeiten ohne Zug-verkehr erledigt. Auf Gleis 7 stehen deshalb abgestellt die 99 7242 und die 199 301 ohne Nummernschilder und warten auf das Ende der Bau-arbeiten.
10.05.1984

Haltepunkt Albrechtshaus: Das Streckengleis wurde etwas unterhalb der kleinen Stützmauer verlegt und ein einfacher Bahnsteig errichtet. Das alte Wartehallenhäuschen wurde weiterhin als Unterstell-möglichkeit genutzt, stiegen doch die Patienten der Lungenheilstätte ein und aus sowie etliche Wanderer. Ein Anschlußgleis soll geplant gewesen sein, wurde aber nicht erbaut.


Foto (Winfried Schwarzbach):
Am ehemaligen und zukünftigen Haltepunkt Albrechtshaus bot sich am 10.03.1982 dieses Bild. Links der Straße erkennt man das alte Planum und rechts steht noch das originale Gebäude der Wartehalle, die bisher als Bushaltestelle diente. Hinter dem Bogen befand sich bis 1946 das Anschlußgleis zum Heizwerk in Albrechtshaus.


Friedrichshöhe: Hier wurde das alte Fachwerkgebäude des Bahnhofs abgerissen, und ein Kreuzungsgleis angelegt. Ein Mittelbahnsteig sowie eine Wartehalle im Betonstil komplettierten die Anlage. Das alte Ladegleis wurde nicht wieder aufgebaut.


Foto (Winfried Schwarzbach):
Ebenfalls am 10.03.1982 bot sich am ehemaligen Bahnhof Friedrichshöhe dieser Anblick. Das Empfangsge-bäude stand noch, ebenso der Bungalow auf dem Gleisplanum und die drei anderen Bungalows rechts neben dem Gleis. Heute sind kurz vor der Ausfahrweiche Güntersberge noch Fundamentreste zu finden. Der alte und neue Gleisbereich ist schon vom Bewuchs befreit.


Güntersberge: Im alten Bahnhofsgebäude wurde ein Warteraum eingerichtet, hier wurde auf jegliche weitere Gleisanlage außer dem Streckengleis verzichtet, ein geplantes Ladegleis für den metallverarbeitenden Betrieb am Bahnhof wurde nicht gebaut.


Foto (Winfried Schwarzbach):
Aus Richtung Straßberg (Harz) am 16.10.1983 wurde dieses Foto gemacht. Der zeitweise Endbahnhof Güntersberge wurde für den Gleisbau vorbereitet, der Bewuchs entfernt, die Lkw's sorgten für den Abtransport des alten Schotters.
Auf Höhe der Fahrzeuge links am Hang befand sich bis 1946 der einständige Lokschuppen in einer heute noch sichtbaren Nische der Felswand.

Anschluß Nickol: Der Anschluß wurde nicht wieder aufgebaut, der Fahrweg an den dortigen Häusern rechts der Birken ist das alte Planum.


Foto (Winfried Schwarzbach):
Am 30.10. 1983 hatte die Gleisspitze den ehemaligen Anschluß zum Säge-werk Nickol im km 26,5 passiert.
Das Werk war zu dieser Zeit noch in Betrieb, der LKW „Garant“ steht auf dem Planum des alten Anschluß-gleises.

Ladestelle Selkewiese: Die Ladestelle wurde ebenfalls nicht wieder aufgebaut.

Fluor/Herzogschacht: Der Anschluß Herzogschacht abzweigend von der Selkebrücke wurde nicht wieder aufgebaut, er war schon seit dem 26.05.1974 außer Betrieb, da das Gleis vom Herzogschacht nicht mehr instandgehalten und somit eine weitere Befahrung unmöglich wurde. Lange Zeit lag das Gleis noch im Gelände und wurde dann abgebaut. Die Anschlußweiche wurde nicht mehr vorgesehen.


Foto (Winfried Schwarzbach):
Auf der Selkebrücke im km 22,0 geht der Blick im Mai 1980 in Richtung Straßberg (rechts) und auf das direkt nach der Weiche steil ansteigende Anschlußgleis zum Herzogschacht (links). Durch das linke Geländer verdeckt ist die Gleissperre. Gerade-aus erkennt man noch die Reste der Verladerampe Fluor bzw. das untere Ende der alten Pferdebahn zum Schacht, die bis 1944 den Flußspat-transport zur Fluorfabrik und zur Ladestelle gewährleistete.


Foto (Winfried Schwarzbach):
Selkebrücke im km 22,9 am 30.10.1983 . Dort , wo die Schwellen rechts neben dem Streckengleis liegen, führte das Anschlußgleis zum Herzogschacht bergauf.

Straßberg (Harz): Der Gleisplan wurde so vereinfacht, daß das Ladegleis aus Gleis 1 abzweigte in Richtung Güntersberge. Das Stumpfgleis zum Güterschuppen war vorher schon abgebaut worden. Am Ladegleis war eine Rampe zur Verladung aufgeschüttet worden, um die leer aus Silberhütte kommenden offenen Regelspurwagen zu nutzen.


Foto (Winfried Schwarzbach):
19.04.1983, Bahnhof Straßberg (Harz) - so sah der Endpunkt kurz vor dem Umbau aus. Kleinbahn pur, jeder Mast scheint eine eigene Senkrechte zu haben, die Gleise ausgefahren, aber im Büro des Herrn Schwarze gab es guten Kaffee und als Zugabe Geschichten aus seiner GHE-Zeit.


Foto (Winfried Schwarzbach):
Straßberg (Harz), Ausfahrt nach Güntersberge am 16. 10.1983. Später wurden zwei Rückfallweichen einge-baut und die Gleisanlagen stark redu-ziert, heute gibt es nur noch Gleis 1 und Gleis 2, welche Zugkreuzungen ermöglichen.

Rinkemühle I: Das alte Stumpfgleis, welches per Sperrfahrt ab Silberhütte bedient wurde, erhielt eine neue Anschlußweiche, eine Schutzweiche und eine Laderampe zur Verladung in Regelspurwagen.


Foto (Winfried Schwarzbach):
Der Anschluß Rinkemühle I ist nun mit einer Schutzweiche und Prellbock umgebaut worden und wird am 08.07.1984 bedient. Heute ist das Werk stillgelegt, es ist seit 1994 außer Betrieb, der Anschluß wurde kurz nach der Wende aufgegeben, die beiden Weichen und der Prellbock zieren heute die ehemalige Trasse der „Silberhütter Hochbahn“. Mitte 2018 begann man mit dem Ab-riß der Ruinen des traditionsreichen Betriebes.

Silberhütte/Anhalt: Hier wurde etwa 100 m in Richtung Straßberg (Harz) die Abzweigweiche zum Heizwerk mit einer Schutzweiche eingebaut, eine im Linksbogen liegende Stahlträgerbrücke wurde neu errichtet.


Foto (Winfried Schwarzbach):
Silberhütte/Anhalt: Hier ist das Planum des zukünftigen Anschlusses zum Heizwerk zu sehen, das nach rechts zur neuen Selkebrücke führt. Auch hier wurde eine Schutzweiche eingebaut. 15.10.1983

Nach einem Rechtsbogen wurden die Ladegleise erreicht. Hier konnte umgesetzt werden, entladen wurde mit einem Portalkran ähnlich dem in Gernrode. Für die Loks war eine Wasserpumpe vorhanden, man fuhr aber gern nach Alexisbad. Die Gleise sind noch in Betrieb und werden für Sonderzüge genutzt.


Foto (Winfried Schwarzbach):
Am 29.02.1984 sah es im Heizwerk-anschluß so aus, der Portalkran diente der Wagenentladung, am Ende der Gleisanlagen in Blickrichtung konnten die Loks Wasser fassen.
99 7231 hat Leerwagen nach Silber-hütte gebracht, umgesetzt und zieht ihre Fuhre über die neue Selkebrücke in den Anschluß Heizwerk.
Damals mußte es schnell gehen, der Werkschutz sah solcherlei Foto-Machenschaften nicht so gern.



Foto (Winfried Schwarzbach):
Fünf Monate später hat Zug 67792 am 08.07.1984 beladene Kohlewagen gebracht, die nun in den Anschluß Heizwerk gefahren werden.

Im Bahnhof Silberhütte/Anhalt selbst wurde kurz hinter dem Späneturm Richtung Alexisbad eine Linksweiche eingebaut mit einem Stumpfgleis für etwa zwei Wagenlängen. Hier wurde auf einer aufgeschütteten Rampe Holz aus der Rinkemühle II verladen, dem Sägewerk gegenüber dem Bahnhofsgebäude.


Foto (Winfried Schwarzbach): Im Bahnhof Silberhütte/Anhalt wurde direkt an die Ausfahrweiche nach Alexisbad ein neues Ladegleis „Rinkemühle II“ mit einer Betonrampe zur Beladung der aufgerollten Regelspurwagen errichtet.
Neben dem Rest des Schmalpurgleises unter dem Späneturm ist rechts noch das Gleistor zur Pyrotechnik zu erkennen, hier wurde bis etwa 1963 das alte Kesselhaus mit Brennstoffen versorgt.
Silberhütte/Anhalt mit dem Anschluß Rinkemühle II am 24.05.1984.

Mit dieser Ausstattung ging die Strecke provisorisch im Januar 1984 in Betrieb, der dann etwa Mitte März bis zum 03.06.1984 wegen der Brückenbauarbeiten noch einmal unterbrochen wurde.

Quellen: Zieglgänsberger; Röper: Die Selketalbahn, Transpress Verlag Berlin
Bornemann, Die Anhaltische Harzbahn, Piepersche Verlagsanstalt Clausthal-Zellerfeld
Eigene Unterlagen und Infos - für die Bildqualität bitte ich um Nachsicht!