99 6101-2
 

Im Jahre 1914 lieferte die Lokomotivfabrik Henschel & Sohn in Kassel an die Heerestechnische Prüfungskommission zwei
C-gekuppelte Tenderlokomotiven, die in ihrem Äußeren sehr ähnlich sind, sich aber dennoch grundlegend unterscheiden: Diejenige mit der Fabriknummer 12879 kam als HeißdampfIokomotive, diejenige mit der Nummer 12880 als Nassdampflokomotive in Betrieb. Mit einem Gesamtgewicht von 32 t entstanden so relativ schwere Schmalspurlokomotiven für 1000 mm Spurweite (Radsatzlast 11 t). Der bei einer Länge von 7734 mm und einem Radsatzstand von 2500 mm entstehende beidseitige Überhang begrenzt die zulässige Geschwindigkeit auf 30 km/h. Aber der Heeresfeldbahn kam es nicht auf Geschwindigkeit, sondern auf Zugkraft an. Das Gewicht, das die Heißdampfeinrichtung (größere Zylinder, Überhitzer) erfordert, wird durch etwas kleinere seitliche Wasserkasten wettgemacht, weil die Verantwortlichen der Meinung waren, eine Heißdampflokomotive benötige weniger Wasser. Da der Heerestechnischen Prüfungskommission keine geeigneten Strecken zur Verfügung standen, erfolgten die Versuchsfahrten auf der Harzquer- und Brockenbahn. Im Jahre 1917, kurz vor Kriegsende, waren diese beendet und die Heeresfeldbahn bot diese beiden Lokomotiven der Nordhausen-Wernigeröder Eisenbahn (NWE) an, die durch Zwangsabgaben etliche ihrer Lokomotiven an die Heeresfeldbahn, sowieso über Lokmangel klagte. Die NWE übernahm jedoch zunächst nur die Heißdampflokomotive und reihte sie nach einer Probefahrt am 27.04.1917 als Betriebs-Nummer 6 ein.
Die Nassdampfmaschine ging an die Nassausche Kleinbahn und erhielt dort die Nummer 15, sie war dort aber als C-Kuppler auf die Dauer zu schwach, sodass es 1921 zu einem Verkauf an die NWE kam, die sie am 10.05.1921 als Betriebsnummer 7 ihrem Bestand einreihte.

 
Foto Jürg Seyffarth: Die 99 6101 auf ihrer vorerst letzten Sonderfahrt ( am 14. Mai 2015 )

Beide Lokomotiven kamen sowohl in Nordhausen wie auch in Wernigerode zum Einsatz, hier beförderten sie Ieichtere Rollbockzüge auf Teilstrecken direkt zu den Werksanschlussgleisen. Daher kam ihr Spitzname "Rollbocklok", der in der Harzer Mundart seinen eigenen Klang hat. 1949 bei der DR erhielten sie die Nummern 99 6101 (Heißdampf) und 99 6102 (Nassdampf). Da sich die Unterschiede im vorgesehen Einsatzbereich zwischen Nass- und Heißdampflok kaum bemerkbar machten, blieben beide Lokomotiven in ihrem Lieferzustand. Ab 1957 wurden sie meist nur noch in Wernigerode zur Bedienung der Gleisanschlüsse und für Gleisbauarbeiten eingesetzt. 99 6102 wurde 2009 abgestellt (Fristablauf). Über ihr weiteres Schicksal ist noch nicht entschieden. Ihre Schwesterlok 99 6101 wurde am 09.03.1992 ebenfalls abgestellt, aber von der IG HSB übernommen und wieder betriebsfähig aufgearbeitet. Die HSB sorgt in Zusammenarbeit mit der IG HSB dafür, dass auch diese Lokomotive seitdem wieder betriebsfähig für Sonderfahrten zur Verfügung steht (Charterung Über die HSB).
 


 
Fabriknummer: 12879
Achsfolge/Bauart Ch2t
Hersteller: Henschel
Baujahr 1914
Länge über Puffer 7,73 m
Achsstand 2,50 m
Treibraddurchmesser 0,80 m
Zylinderdurchmesser 43,00 cm
Kolbenhub 40,00 cm
Leergewicht 26,0 t
Dienstgewicht 32,0 t
Kohlevorrat 1,1 t
Wasservorrat 4,0 m3
Leistung 380 PS / 280 kW
Geschwindigkeit 30 km/h
 



 
Quelle Triebfahrzeuge und Wagen der IG HSB

 


NWE 6 (99 6101 - 2) Quelle Triebfahrzeuge und Wagen der IG HSB

 

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