Der Tag der offenen Tür in Hasselfelde

Udo Müller
Vor rund einem Jahr begannen die Überlegungen für ein Fest anläßlich des 20-jährigen Bestehens der Arbeitsgruppe Historischer Lokschuppen Hasselfelde. Wie soll das Fest vonstatten gehen, was ist vorzeigbar, wie müssen wir es organisieren? Viele Telefonate mußten geführt und mit anderen Eisenbahnvereinen Verbindungen aufgenommen werden.
Von Besuchen in Gramzow, Wittenberge, Radebeul, Freital und Schwarzenberg entstand die Idee, alle weiteren noch existierenden fünf Schienenmopeds auf Basis des KR 50 (Kleinroller) zu unserem Fest nach Hasselfelde zu holen. Das sechste Schienenmoped gehört bekanntlich unserer IG.
Es gab auch Überlegungen, eine 5-Zoll-Bahn aufzubauen - die nötigen Verbindungen wurden nach Braunschweig zum Lokpark hergestellt. Ebenfalls wurde ein Rollwagen für die Berliner Gartenbahn-freunde hergerichtet – auf diesem Rollwagen wurde dann eine Modellbahnanlage erbaut.
Außerdem wurde die Möglichkeit geprüft, uns die Handhebeldraisine der Härtsfeld-Museumsbahn auszuleihen.
Als ich Anfang Januar zu einer Kur war, hatte ich viel Zeit, um mir Gedanken zu machen, wie das Fest organisiert werden soll. Es wurden telefonische und schriftliche Verbindungen zu sämtlichen o. g. Eisenbahnvereinen aufgenommen. Es war eine schwierige Aufgabe, Telefonnummern, Adressen und Kontaktpersonen ausfindig zu machen. Aber im Zeitalter der modernen Kommunikationstechnik war das eine lösbare, wenn auch zeitintensive Aufgabe.
An einem Samstag im Februar haben sich alle Vereinsmitglieder der Arbeitsgruppe Historischer Lokschuppen Hasselfelde zusammengefunden und es wurde über das anstehende Fest am 12. und 13.05.2018 gesprochen sowie über die Vorgehensweise diskutiert.
Auch die Geschäftsleitung der Harzer Schmalspurbahnen GmbH und der dortige Eisenbahnbetriebs-leiter wurden über unser Vorhaben informiert.
Es vergingen nur wenige Tage, bis Nägel mit Köpfen gemacht wurden.
Alle Ansprechpartner in den vorgenannten Vereinen wurden über unser Vorhaben informiert. Es wurden uns schnell und unkompliziert die Zusagen gemacht, dass wir alle fünf Schienenmopeds als Leihgabe für unser Wochenende bekommen konnten. Von der HMB kam die Zusage für die Leihgabe der Handhebeldraisine, aus Braunschweig erfolgte die Zusage für das 5-Zoll-Gleisoval.
Außerdem wurde nochmals über die Verpflegung und den Aufbau der Verkaufsstände diskutiert.
Wir hatten das Glück, daß in der Bahnhofsnähe zu unserem Fest eine Fleischerei eröffnet und diese die Verpflegung mit Würstchen und Steaks übernommen hat. Wir brauchten uns also „nur“ um Kaffee, Kuchen und Kaltgetränke zu kümmern. Die Frauen aus unserem Verein boten sich an, Kuchen zu backen, ebenfalls wurden auch Nachbarn, Freunde und ehemalige Kolleginnen darum gebeten.
Die Tage bis zu unserem Fest rückten immer näher und die großen Aufgaben standen uns noch bevor.
Das Gelände an der Ladestraße mußte für das Schienenmaterial vorbereitet werden. Dafür mußten 60 Tonnen Siebrückstände aus den Rübeländer Felswerken beschafft und planiert werden. Diese Aufgabe übernahmen Erik Müller und seine Kollegen mit schwerer Technik.
Am 04.04.2018 holten Torsten Blath, Theo Echtermeier und ich das 5-Zoll-Schienenoval und drei Wagen vom Lokpark Braunschweig ab. Dann ging es am 20.04.2018 nach Neresheim zur Härtsfeld-Museeumsbahn, wo Dominik und ich die Handhebeldraisine abholten – siehe dazu der Bericht von Dominik Könitzer auf Seite 8. Am 07.05.2018 fuhren mein Sohn Erik und ich am frühen Morgen mit Pkw und großem Anhänger nach Gramzow in der Uckermark, um das KR 50 mit 750 mm abzuholen. Durch Verzögerungen und Stau auf der Autobahn konnten wir das Wittenberger Moped mit 1435 mm Spurweite aus Zeitgründen an diesem Tag leider nicht mehr abholen.
Am Folgetag, dem 08.05.2018, fuhren wir mit einem geliehenen Transporter vom Autohaus Peinemann Braunlage und Anhänger in Richtung Sachsen. Als erstes ging die Fahrt nach Freital, wo uns ein Vereinsmitglied der IG Weißeritztalbahn, Axel Arlt, zum vereinbarten Zeitpunkt begrüßte.
Nachdem wir das dortige KR 50 750 mm ordnungsgemäß verladen hatten, machten wir uns weiter auf den Weg nach Radebeul, wo wir von einem Mitglied der dortigen Traditionsbahn in Empfang genommen wurden.

Nach einem kurzen Gespräch und Besichtigung ihrer Wagenhalle luden Erik und ich das zweite Schienenmoped mit 750 mm auf unseren Anhänger und sicherten es. Da wir etwas unter Zeitdruck waren, verabschiedeten wir uns und es ging gleich weiter Richtung Schwarzenberg.
Dort angekommen, stand das Moped KR 50 1435 mm schon für uns bereit. Wir wurden von den Mitgliedern freundlich begrüßt und sie halfen uns beim Verladen. Natürlich „mußten“ wir das Schwarzenberger Bahnbetriebswerk auch besichtigen, machten uns aber bald darauf mit den drei ausgeliehenen Schmuckstücken auf den Heimweg.
Am späten Abend trafen wir wohlbehalten in Hasselfelde ein, wo wir alle Mopeds in einer Garage bei der Firma Dirk Adolf gegenüber vom Lokschuppen abstellten.
Nun fehlte nur noch das Moped aus Wittenberge. In einem Telefonat mit Dirk Endisch konnte noch ein kurzfristiger Abholtermin vereinbart werden. Also mußte Erik am Freitag, dem 11.05.2018, allein nach Wittenberge fahren, um das dortige Moped mit Spurweite 1435 mm zu holen.
Bereits am Vortag (Vatertag) fanden sich einige Vereinsmitglieder der IG am Lokschuppen Hasselfelde ein, denn unsere Lok 99 7244 sollte für das Festwochenende das Tageslicht erblicken. Mit einem Halberstädter Triebwagen zogen wir die Lokomotive aus dem Lokschuppen an ihren dafür vorgesehenen Platz. Danach konnte der Kanal im Lokschuppen gereinigt und mit den Riffelblechen der Harzer Schmalspurbahnen GmbH abgedeckt werden.
Anschließend wurde durch Mitglieder und Modellbahnfreunde mit dem Aufbau der H0m-Anlage (1:87) begonnen. Es mußte auch noch jemand für die erste Nachtwache gefunden werden, die ich dann selbst übernahm.
Am Freitagfrüh trafen sich alle Mitglieder und Eisenbahnfreunde zu einem ausgiebigen Frühstück. Danach konnte der Aufbau zum Fest beginnen. Jeder hatte seine Aufgabe - die einen bauten die Verkaufsstände auf, die nächsten die 5-Zoll-Bahn und die Gartenbahnanlage. So hatte jeder sein volles Programm. Die Bierzeltgarnituren wurden aufgestellt und die Getränke von Getränkehandel Degenkolbe in Empfang genommen.


Foto (Udo Müller): Noch herrscht „Ruhe vor dem Sturm“ - der Freitag begann mit einem kräftigen
Frühstück für alle Beteiligten, denn der Tag wurde lang und brachte viel Arbeit.

Am Nachmittag traf Erik mit dem letzten Moped aus Wittenberge ein, so daß wir überglücklich alle sechs noch existierenden original KR-50-Schienenmopeds zum Fest präsentieren konnten.
Als alles gut vorbereitet war, ließen wir den Freitag mit einem gemütlichen Beisammensein ausklingen.
Am Samstag waren alle Helfer frühzeitig vor Ort. Zur Feier des Tages wurde die Lok noch von Dominik Treichel auf Hochglanz poliert, Messingpfeife und Handräder wurden angebaut.
Die ersten gesponserten Kuchen wurden angeliefert und zum Verkauf von Ingrid Junge, Gabi Könitzer und Ingrid Ebertz vorbereitet. Der IG-Stand wurde von Jürg Seyffart und Sören Peter eingerichtet. Das Kinderschminken wurde von Birgit Schmidt mit Farbe und Pinsel vorgenommen.
Nachdem die Handhebeldraisine und die sechs Mopeds ihren vorgesehenen Platz eingenommen hatten, wurden sofort die ersten Fotos geschossen. Zur Vervollständigung kam mein Nachbar Achim Nichau noch mit seinem Straßen-KR 50.


Foto (Udo Müller): Insgesamt sieben KR 50 waren in Hasselfelde vertreten – einmal die „Original-Version“
mit Gummibereifung für die Straße und sechs für die Schiene in verschiedenen Spurweiten umgebaute „Schienenmopeds“.


Die 5-Zoll-Bahner Torsten Blath, Tino Fügner, Rolf Apel und Stefan Koch gleisten ihre Dieselloks und Wagen ein, um schon mal einige Runden zu drehen. Die Berliner Gartenbahnfreunde Lutz-Uwe Treichelt und Christian Beck hatten ihre Anlage auf dem dafür vorbereiteten Rollwagen fertig gestellt.


Foto (Udo Müller): Auf einem Rollwagen wurde eine Holzplattform errichtet und mit Kunstrasen belegt – ein idealer
Untergrund für eine Gartenbahnanlage.

Auch die H0m-Anlagen wurden von Manuel und Markus Göpel, Marko Spangenberg, Ralf Jessa und Willi Gurniak in Betrieb genommen.
Jetzt konnte das Fest beginnen - Kaffee war gekocht, der Kuchen aufgeschnitten und die ersten Gäste konnten begrüßt werden. Auch unser Fleischer Marcel Vollmer hatte an seinem Grillstand neben dem „Ehrlichschen Gleis“ alle Hände voll zu tun. Das „Ehrlichsche Gleis“ hat seinen Namen übrigens von der Kolonialwaren- und Futtermittelhandlung Ehrlich, die dieses Gleis 1928 als Anschlußgleis verlegen ließ.
Bei bestem Wetter kamen große und kleine Eisenbahnfans. Alle kamen auf ihre Kosten, die Kinder wurden geschminkt und bekamen kleine Überraschungen (Warnwesten, Bonbons usw.). Auch der kleine dampfbetriebene Traktor von Norbert Braun aus Obernkirchen wurde angeheizt und drehte seine Runden.

Als gegen 17.00 Uhr der Kuchen zur Neige ging, erklärten sich alle Frauen bereit, für Nachschub zu sorgen und nochmals zu backen.


Foto (Udo Müller): Ein Dank geht auch an die „Kuchenfrauen“ – hier stellvertretend für alle
Ingrid Ebertz und Dorothea Albrecht (von links) bei der Übergabe des „Nachschubes“.

Nachdem die letzten Besucher das Fest verlassen hatten, gab es für alle Beteiligten Deftiges aus dem Suppentopf von IG-Oma Ingrid. Bevor der angekündigte Lichtbildervortrag im Lokschuppen begann, übergab Volker Siewke einen Scheck über 500,00 Euro für unsere geleistete Arbeit in Hasselfelde. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus dem Vertrieb seiner Zeitung „Lindenberger Freitaste“ (LF 13). Dafür ein herzliches Dankeschön!
Anschließend begannen Thomas Zapplinski und Volker mit ihren Diavorträgen über Hasselfelde und Umgebung. Es war für alle sehr interessant und es wurde so manche Erinnerung geweckt, sei es an vergangene Zeiten oder alte Kollegen. Gegen 23.00 Uhr klang dieser Abend aus und einige Mitglieder übernachteten im Lokschuppen.
Auch am Sonntag wurde es dank des frisch gebackenen Kuchens und dem schönen Wetter ein gelungenes Fest. Am Nachmittag kamen noch Gäste der Härtsfeld-Museumsbahn zu Besuch und drehten mit der von ihnen ausgeliehenen Handhebeldraisine die letzten Runden und machten auf den Mopeds noch einmal Probesitzen.
Nachdem die letzten Besucher die Veranstaltung verlassen hatten, wurde alles wieder aufgeräumt, zum Glück - viele Hände - schnelles Ende!
Am Montag wurde die 99 7244 von der Gernröder Planlok 99 7237 wieder in den Lokschuppen geschoben. Am Dienstag und Mittwoch wurden sämtliche Mopeds von uns zu den entsprechenden Vereinen zurückgebracht.
Hiermit bedanken wir, die Arbeitsgruppe Historischer Lokschuppen in Hasselfelde, uns bei den Harzer Schmalspurbahnen GmbH, den Vereinen 5-Zoll-Eisenbahn-Lokpark Braunschweig, Härtsfeld-Museums-bahn, Traditionsbahn Radebeul, IG Weißeritztalbahn, Eisenbahnmuseum Gramzow, Historischer Lok-schuppen Wittenberge und Eisenbahnmuseum Schwarzenberg sowie den Sponsoren Raiffeisen-Warengenossenschaft Hasselfelde, Dirk Adolf und Marcel Vollmer (Hasselfelde), Metallverarbeitung Hans Herbert Schulteß (Benneckenstein), Ralf Fischer GmbH (Blankenburg), Fels-Werke Rübeland, Autohaus Peinemann Braunlage, Volker Siewke (Straßberg), Harz Energie GmbH&Co.KG Osterode und RR Software GmbH Hasselfelde.
Ein Dank geht auch an viele Mitglieder der Interessengemeinschaft Harzer Schmalspurbahnen e.V. sowie an viele Eisenbahnfreunde für ihre Hilfe und freundliche Unterstützung, ebenfalls ein großes Dankeschön an die Kuchenbäckerinnen.