Steinkohle im Harz - aber nicht für Dampf im Harz

Christian Land
Das Thema des Vorprogramms zum Vereinsabend am Haltepunkt Tiefenbach-mühle am 16. Juni 2018 traf dieses Jahr buchstäblich ins "Schwarze" - die Steinkohle, denn sie ist das "Gestein des Jahres 2018", welches allerdings auch das Jahr der Schließung der letzten beiden Steinkolen-Zechen in Deutschland ist.
Und so traf sich eine kleine Schar Interessierter um 16.00 Uhr am Besucherbergwerk "Rabensteiner Stollen" bei Ilfeld/Netzkater im Südharz mit dem Bergwerksführer Jörg Fischer zur Grubenführung durch das ehemalige, im Harz einzige und über die Harz-Region hinaus einzigartige Steinkohlenbergwerk, welches für Besucher in hervorragender Weise zugänglich gemacht wurde. Seine Herrichtung zum Schaubergwerk begann schon 1981, zunächst mit Öffnung eines kurzen Stollenabschnitts für die Besucher.
Nach dem traditionellen Bergmannsgruß "Glück auf!" ging es mit der Grubenbahn wie zu einer Zeitreise ein ganzes Stück weit hinein in die beengende und dunkle Tiefe des Berges. Es war, als spüre man die Realität der entbehrungsreichen Arbeitswelt unserer Altvorderen, die anfangs und lange Zeit lediglich ausgerüstet waren mit "Schlägel" und "Eisen", wie sie im Bergmannswappen abgebildet sind, um dem Berg ein wenig Kohle, meistens in hockender oder liegender Körperhaltung bei spärlichsten Lichtver-hältnissen abgewinnen zu können und im "Schleifsack" abzutransportieren, das 30. Lebensjahr kaum erreichend. Erst in den 1920er Jahren fand im "Rabensteiner Stollen" die Pressluft für den Antrieb maschineller Hilfsmittel (Bohrhammer, Lafettenbohrmaschine, Dynamolampe) Anwendung.
Mit mehrfachen Unterbrechungen wurde Steinkohle im "Rabensteiner Stollen" seit 1737 bis zuletzt 1949 abgebaut. Bei der hier gefundenen Steinkohle handelt es sich jedoch um eine minderwertige Kohle mit nur geringem Heizwert und hohem Ascheanteil. Sie ist somit nicht als Betriebsstoff für eine Dampfloko-motive geeignet.


Foto (Andreas Heuer): Ein Teilstück des Rabensteiner Stollens.

Erdgeschichtlich ist die Entstehung der Steinkohle im Ilfelder Revier und auch sonst im Harz einer vergleichsweisen jüngeren Zeit (dem Perm) zuzuordnen als den deutlich älteren und damit qualitativ hochwertigen Steinkohlen (Ruhrgebiet, Oberschlesien) aus der Karbonzeit, deren Nutzung das Industriezeitalter bestimmte.
Die Kohle aus dem "Rabensteiner Stollen" war gerade mal gut genug für den allgemeinen Hausbrand in den Zeiten, als Holz aus verschiedenen Gründen im Harz knapp war. Ein Hauptgrund war der hohe Verbrauch bei der Verkohlung zu Holzkohle und die Nutzung im Bergbau zur Abstützung der Stollen.
Die Holzknappheit brachte dann auch die Erkenntnis, dass nur so viel Holz geerntet werden kann, wie auch wieder nachwächst – der "Gedanke der Nachhaltigkeit", wie er von dem Forst- und Jagdmeister Hans-Dietrich von Zanthier (1717-1778) erstmals akademisch in seiner Forstakademie in Ilsenburg/Harz
gelehrt wurde.
Von der Entstehungszeit der hiesigen Steinkohle zeugen im Stollen ausgestellte Fossilien, die bei der Kohlegewinnung gefunden wurden. Neben den Ausführungen des Grubenführers informierten mehrere szenische Darstellungen in Form von Dioramen in den Stollengängen über das mühsame und gefährliche Arbeitsleben der Bergleute und ihre Werkzeuge bzw. Hilfsmittel für den Abbau der Kohle.


Foto (Andreas Heuer): Fossilienabdrücke in der Kohle des Rabensteiner Stollens.

Am Ende der Führung waren wir mit dem Verlassen des Berges dann doch wieder froh, das Tageslicht und die Sonne zu erblicken und wir wußten nun, was "Glück auf!" bedeutet: nämlich das "Glück", wieder und gesund aus dem Berg aufzusteigen. Eine andere Sinndeutung wäre, daß der Berg seine Schätze für das "Glück" des Bergmanns auftun möge.
Im Anschluß an das Bergwerkserlebnis fand man sich am Haltepunkt Tiefenbachmühle zusammen mit den inzwischen Dazugekommenen zum "zweiten Teil" des Vereinsabends ein, so dass wir nun knapp 20 Personen waren.

Vor dem Abendessen (natürlich gab es wieder den beliebten Krustenbraten von Familie Kuche aus dem Braugasthof Sophienhof) überraschte in diesem Jahr wieder Frau Hintze aus Schierke mit einem kleinen Unterhaltungsprogramm. Bei einer Loselotterie war für jeden etwas dabei.


Foto (Andreas Heuer): Auch das ist inzwischen ein fester Bestandteil des Vereinsabend am Haltepunkt Tiefenbachmühle – Frau Hintze aus Schierke (rechts) trägt zur Unterhaltung der Besucher bei, hier bei der Übergabe der Gewinne aus einer kleinen Verlosung.

Aber auch die Gespräche zu Themen der Eisenbahn und des Vereinslebens kamen nicht zu kurz. Langsam klang der Abend nach dem wohl zur Tradition werdenden Lied von der Schwäb´schen Eisenbahn in seiner HSB-Variante aus.
Zum Schluß sei noch einmal Dank und "Glück auf!" gesagt "unserem" Grubenführer Herrn Jörg Fischer, der uns eindrucksvoll und sicher durch das Bergwerk führte sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Steinkohlen-Besucherbergwerks Rabensteiner Stollen (www.rabensteiner-stollen.de) und dem Förderverein Rabensteiner Stollen e. V. (Vorsitz Herr Uwe Reisner) als seinem Träger, der es durch jahrelangen unermüdlichen Arbeitseinsatz erst möglich gemacht hat, daß heute dieses technische Denkmal des Altbergbaus mit seiner Erlebniswelt existiert.
Weiterführende Literatur zum Steinkohlevorkommen und Steinkohleabbau im Harz siehe u. a. in den Zeitschriften "Unser Harz" Nr. 2/2018 (S. 24-28) bzw. in "Der Harz" Ausgabe 2/2018 (S. 18-20).